Fritz Bauer

1903-1968

Fritz Bauer - Eine Biographie

Deutsche und Englische Ausgabe

 

„Er war der größte Botschafter, den die Bundesrepublik hatte.“ 

Robert M. W. Kempner

 

Fritz Bauer war der Generalstaatsanwalt, der Eichmann, Auschwitz, die Verbrechen der Wehrmacht, der NS-Justiz und NS-Medizin vor Gericht brachte. Deshalb verfolgten ihn Anfeindungen und Morddrohungen bis zum Tod. Fritz Bauer, der selber KZ-Haft und Gefängnis überlebte, setzte sich für die Gefangenen und für die Schwächsten in unserer Gesellschaft ein. Recht und Pflicht zum Widerstand, die Strafrechtsreform und ein humaner Strafvollzug waren für ihn Hauptanliegen. „Wir sollen unseres Bruders Hüter sein“, sagte der Jurist. „Das scheint mir die Aufgabe eines demokratischen und sozialen und menschenwürdigen Rechts. Das wäre die Menschenliebe, von der die Religionen sprechen.“ Fritz Bauer war die Stimme der Überlebenden.

Irmtrud Wojak

Fritz Bauer: The prosecutor who found Eichmann and put Auschwitz on trial

Munich, 2018, 596 pages, paperback, ISBN 978-3981761412
28,00 Euro (inkl USt., zzgl. Versandkosten)

Erscheint: April 2018

Bestellen

Bei info@buxus-edition.de

Bei Amazon

Irmtrud Wojak

Fritz Bauer 1903-1968: Eine Biographie

München: Neuauflage 2016, 614 Seiten, paperback, ISBN 978-3981761405
28,00 Euro (inkl. USt, zzgl. Versandkosten)

Beiträge zu Leben und Werk von Fritz Bauer

Demnächst mehr

Aus der Einführung

Fritz Bauers einsamer Tod hat über Jahre hinweg immer wieder sowohl Fragen ausgelöst, als auch zu Spekulationen Anlass gegeben. Die Obduktion ergab keinen Hinweis auf Fremdeinwirkung oder Selbsttötung.[1] Der Generalstaatsanwalt des Landes Brandenburg Erardo C. Rautenberg überprüfte als Reaktion auf die jüngste Demontage Fritz Bauers nochmals genau die Ereignisse, vorhandenen Quellen und Dokumente. Darunter der für Fritz Bauers Fahrer tödliche Ausgang eines Autounfalls auf einer Dienstfahrt im Dezember 1962. Bauer setzte daraufhin im Gedenken an seinen Fahrer das Gedicht von Ludwig Uhland „Der gute Kamerad“ in die Zeitung. In der dritten Strophe heißt es: „Eine Kugel kam geflogen. Gilt’s mir oder gilt es dir?“[2]

Erardo C. Rautenberg kommt, in Anbetracht der zahlreichen Morddrohungen einschließlich eines Attentatsversuch gegen Bauer und da es bei der Aufklärung der Todesumstände 1968 gravierende Versäumnis gab, zu dem Ergebnis, dass weder Mord noch Totschlag ausgeschlossen werden können. Von einer „haltlosen Insinuation“, dass Bauer eines unnatürlichen Todes gestorben sein könnte, die der Historiker Norbert Frei dem Film Fritz Bauer - Tod auf Raten vorwirft, könne keine Rede sein.[3] Rautenberg weist darauf hin, dass kein „Rechtsmediziner zum Leichenfundort hinzugezogen wurde, obwohl der Polizeiarzt „eine nicht aufgeklärte Todesart“ festgestellt hatte, und eine gerichtliche Leichenöffnung nicht beantragt wurde, was der Rechtsmediziner Gerchow wegen der ungewöhnlichen Auffindesituation später als ‚verwunderlich’ bezeichnet hat.“ Auch wurde die Auffindesituation nicht fotografiert, obwohl in dem kriminalpolizeilichen Vermerk vom 1. Juli 1968 der zweideutige Satz zu lesen war: „Um beide Füße bildet der metallene Wasserschlauch der Brause einen Ring.“ “Immerhin veranlasste die Polizei“, so Rautenberg, „wegen der von Oberstaatsanwalt Krüger angeregten Obduktion, dass die Leiche beschlagnahmt und zur Rechtsmedizin verbracht wurde. Die Sektion konnte aber erst zwei Tage nach der Auffindung der Leiche stattfinden und Ermittlungen durch Kriminalisten erfolgten überhaupt nicht. Ob diesem Prozedere tatsächlich die Überzeugung von einer ‚natürlichen Todesursache’ zu Grunde lag oder aber die Sorge, durch Einschalten der Rechtsmedizin könnten sich möglicherweise Anhaltspunkte für Fremdverschulden oder einen Suizid ergeben, bleibt ungeklärt.“

Der Skandal ist und bleibt dieses Ungelöste, dass wir nicht (mehr) in Erfahrung bringen können, wie und warum Fritz Bauer vor seiner Zeit sterben musste. In den Worten Erardo C. Rautenbergs: „Es hatten (…) nicht nur viele ein Motiv, den Störenfried zu beseitigen, sondern es waren darunter auch solche, die bereits ohne Skrupel getötet hatten, und solche, die aufgrund ihrer Fähigkeiten in der Lage waren, einen Mord zu verschleiern. Sollte Bauer tatsächlich ermordet worden sein, wäre das damit verfolgte Ziel jedenfalls erreicht worden, denn nach dem Tod Bauers versandete die strafrechtliche Verfolgung der ‚Euthanasie’-Morde und fokussierte sich die Verfolgung des KZ-Personals für lange Zeit auf die ‚Exzess- und Direkttäter.’“ Der Schlusssatz des Kriminalisten lautet: „Fritz Bauer hat nicht erreicht, was er wollte, weil der Widerstand gegen eine schonungslose Auseinandersetzung mit dem NS-Unrecht zu groß war. Ob er daran zerbrochen ist, ob man ihn zum Schweigen gebracht hat oder ob ein tragischer Unglücksfall denen in die Hände spielte, die den Schlussstrich herbeisehnten, bleibt für mich eine offene Frage.“[4] Fritz Bauers Werk, das belegt Erardo C. Rautenbergs neuerliche Untersuchung der Todesumstände, eignet sich nicht für eine nationale Erfolgsgeschichte oder deutschen Bewältigungsstolz, wohl aber für alle, die ein Vorbild im Kampf gegen Nationalsozialismus, Rassismus und Antisemitismus suchen.

Was das Erbe des Generalstaatsanwalts Fritz Bauer angeht, ändert sich also nichts. Nach wie vor bleibt es Anliegen und Aufgabe, das Leben und Lebenswerk des politischen Juristen und Verfechters einer freiheitlichen, demokratischen Rechtsordnung in Erinnerung zu bringen und dem Generalstaatsanwalt von Braunschweig und Frankfurt am Main, der den Unrechtsstaat und Auschwitz vor Gericht brachte, den ihm gebührenden Platz in der Geschichte des Kampfes für die Menschenrechte zu verschaffen.


[1] Vgl. das Obduktionsgutachten von Prof. Dr. med. J. Gerchow, HMJ Wiesbaden, Personalakte Fritz Bauer. Ebenso die Ansprache von Generalstaatsanwalt Anders zum 100. Geburtstag Bauers (wie Anm. 35), der die von Guido Knopp zu verantwortende, in Folge 6 der ZDF-Produktion Die SS – Eine Warnung an die Geschichte aufgestellte Behauptung zurückwies, Bauer sei eines unnatürlichen Todes gestorben.

[2] Frankfurter Neue Presse, December 12, 1962.

[3] For what follows see: Erardo C. Rautenberg, “Die Bedeutung des Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer für die Auseinandersetzung mit dem NS-Unrecht,” in: Forschungsjournal Soziale Bewegungen 4 (2015): 1–30, http://forschungsjournal.de/sites/default/files/downloads/fjsb_2015-4_rautenberg.pdf, here p. 19 (accessed December 8, 2017).

[4] Ibid., 20f.

Irmtrud Wojak

liljjhbvljhblj

lhvljvhjlh

Über die Autorin

Irmtrud Wojak ist Geschäftsführerin der BUXUS STIFTUNG gGmbH. Sie ist Historikerin, Autorin und Kuratorin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Erneuerung der deutschen politischen "Erinnerungskultur" und eine Historiographie, die den Widerstand als grundlegenden Kampf für Menschenrechte versteht und erforscht.

Als Frieda L. Miller Fellow am Radcliffe Institute for Advanced Study (Harvard University) untersuchte sie die Widerstandsfähigkeit von Individuen die, entgegen vorherrschender Voreingenommenheit und politischer Diskriminierung, einen auf Rechtsnormen und Mitmenschlichkeit basierenden Standpunkt bewahren. 2012 begann sie mit der Arbeit an dem Forschungs- und Bildungsprojekt "Fritz Bauer Bibliothek für Erinnerung und Menschenrechte". Benannt nach dem Juristen und Anwalt der Menschenrechte Fritz Bauer (1903-1968), der Adolf Eichmann fand und Auschwitz vor Gericht brachte, widmet sich das Projekt der Erforschung, Dokumentation und Wahrung der Menschenwürde mit dem Ziel, zu einer gerechteren und humaneren Welt beizutragen.

2004 kuratierte Irmtrud Wojak eine große Ausstellung über den Auschwitz-Prozess, 2009 veröffentlichte sie die maßgebliche Fritz Bauer Biografie. Im Jahr 2008 absolvierte sie ihre Habilitation und erhielt ihre venia legendi an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover. Bis 2005 war sie stellvertretende Direktorin am Fritz Bauer Institut in Frankfurt. Sie war Leiterin der Historischen Abteilung des Internationalen Suchdienstes (Bad Arolsen) 2007/08 und Gründungsdirektorin des "NS-Dokumentationszentrums" München 2009-2011. Irmtrud Wojak ist Lehrbeauftragte an der Universität der Bundeswehr München.

Zu den Publikationen von I. Wojak zählen zahlreiche wissenschaftliche Artikel, die “Fritz Bauer Archiv”-Webseite (www.fritz-bauer-archiv.de) und die Bücher: Fritz Bauer 1903-1968. Eine Biographie. Neuauflage München (BUXUS EDITION) 2009; Auschwitz-Prozeß. 4 Ks 2/63. Frankfurt am Main. Hrsg. v. I. Wojak. Köln (Snoeck) 2004; Eichmanns Memoiren. Ein kritischer Essay. Frankfurt am Main (Campus) 2001, Neuauflage 2014; Fritz Bauer. Die Humanität der Rechtsordnung. Ausgewählte Schriften. Hrsg. v. Joachim Perels und I. Wojak. Frankfurt am Main (Campus) 1998. „Geliebte Kinder…“ Briefe aus dem Amsterdamer Exil in die neue Welt. Hrsg. v. I. Wojak und Lore Hepner. Essen (Klartext) 1995; Exil in Chile. Die deutsch-jüdische und politische Emigration während des Nationalsozialismus 1933-1945. Berlin (Metropol) 1994.